
„Zwei Welten, eine Realität“ – so lautet der Werbeslogan für ‚IRL‘ (In Real Life), dem neuen Kinofilm des Regisseurs Erik Leijonborg, in dem ‚The Secret World‘, Funcoms Massively-Multiplayer-Online-Spiel mit modernem Setting, eine zentrale Rolle spielt.
Valter Skarsgård (Sohn des Hollywood-Schwergewichts Stellan Skarsgård, bekannt aus Filmen wie ‚Good Will Hunting‘, ‚The Avengers‘ und ‚Thor‘) ist Elias, die Hauptfigur des Films. In der Schule gemobbt, flüchtet sich Elias in das virtuelle Universum von ‚The Secret World‘, wo er ein Mädchen – Scarlet – kennenlernt. Die beiden beschließen, sich auch im realen Leben zu treffen.
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Wir haben dem Regisseur von IRL, Erik Leijonborg, einige Fragen zu seinem Werk gestellt.
– Erzähl uns bitte etwas über IRL, und wie du auf diese Story gekommen bist.
Ich bekam das Drehbuch von einem Produzenten bei Eyeworks zugeschickt, einer europäischen Produktionsfirma. Geschrieben hat es ein sehr guter schwedischer Autor namens Alex Haridi, und es basiert auf dem belgischen Roman ‚Ben X‘ von Nic Balthazar. ‚Ben X‘ wurde 2007 in Belgien schon einmal verfilmt.
Ich mochte die Story sofort und teilte den Produzenten mit, ich sei der Richtige für den Job. ‚IRL‘ ist die Geschichte von Elias, der sein Leben in zwei Welten verbringt. In der realen Welt ist er alles andere als zufrieden, aber er kann in seine ‚Computerwelt‘ entfliehen und dort eine glücklichere und wahrhaftigere Person sein. Elias passieren sowohl in der Schule als auch im Netz schlimme Sachen, aber im Spiel, im Chat, hat er eine wirklich gute Freundin, die ihm bei seinen Problemen hilft.
– Es gibt nicht viele Filme, in denen sowohl Filmszenen als auch Gameplay-Sequenzen vorkommen. Was hat dich an so einem Film gereizt?
Ich fand das ganz natürlich, weil die Hauptfigur Elias nun mal ein Gamer ist. Außerdem leben die meisten Menschen – zumindest die Teenager – heute so. Wir wollten einen realistischen Film über junge Leute machen, und die Sequenzen aus dem Spiel waren uns dabei eine große Hilfe.
– Warum hast du gerade The Secret World als das Spiel ausgewählt, das die Hauptfiguren spielen? Warum dachtest du, The Secret World sei das richtige Spiel für IRL?
Am Anfang war es hauptsächlich der Look, das Design des Spiels. Wir wollten ein Spiel, das modern wirkt. Als wir dann die realistischen Charaktere und Schauplätze sahen, wussten wir, dass wir unser Spiel gefunden hatten! Natürlich spielte es auch eine Rolle, dass das Spiel noch ganz neu war. Und außerdem musste es ein Online-Spiel mit Chat sein, damit unsere Figuren sich kennenlernen und miteinander reden konnten.
– Wie hast du entschieden, welche Elemente des Spiels du im Film haben möchtest, was war deine ursprüngliche Idee, und wie viel davon hat es in den fertigen Film geschafft?
Einige Teile des Spiels waren viel besser, als ich mir anfangs erhofft hatte! In einem Film richtet sich alles nach dem Drehbuch, also haben wir praktisch im Spiel nach coolen ‚Drehorten‘ gesucht, die zum Film und den verschiedenen Szenen passen. Ein weiterer Vorteil war, dass wir unsere eigenen Charaktere problemlos selbst entwerfen konnten.
– Kannst du beschreiben, wie der Look der digitalen Versionen der Figuren entstanden ist? Warum sehen sie so aus, wie sie aussehen?
Ich wollte, dass sie cool und sympathisch rüberkommen. Elias‘ Charakter “SAILE” sieht eigentlich ganz normal aus. Aber Scarlet sollte sehr attraktiv sein und wie aus einem Traum stammen. Sie sollte jemand sein, von dem Elias/ SAILE träumen würde.
– Was waren die größten Herausforderungen bei der Arbeit mit dem Material aus dem Spiel?
Ich muss sagen, es hat sich eigentlich alles ganz natürlich ergeben. Das Schwierigste war die Auswahl aus den vielen coolen Perspektiven, die man uns vorlegte. Du bekommst praktisch alle Szenen aus allen nur erdenklichen Blickwinken und musst dann erst entscheiden, wie die Sequenz aussehen soll. Das war echt cool und hat viel Spaß gemacht. Eine weitere Schwierigkeit war natürlich auch, genau zu wissen, wie eine Szene in dem echten Spiel aussehen würde. Ich bin wirklich gespannt, was die Spieler von The Secret World von dem Film halten werden.
– Sind dir bei deiner Arbeit mit The Secret World auch andere Ideen gekommen, wie du das Spiel – oder Spiele an sich – für die Herstellung deiner Filme benutzen könntest?
Absolut! Die Welt entwickelt sich rasend schnell, und die Zukunft gehört dem Netz und den Spielen in all ihren Formen. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass es die verschiedensten Projekte zu diesem Thema geben wird. Und ich wäre gerne an einigen davon beteiligt!
– Haben die Schauspieler das Spiel jemals gesehen oder gespielt, hatten sie irgendeine Beziehung zu dem Spiel?
Walter Skarsgård, der Elias spielt, ist ein erfahrener Gamer. Er hat schon die frühe Beta-Version von The Secret World gespielt und nach dem Erscheinen viel Zeit mit dem Spiel verbracht. Aber bei den Dreharbeiten zeigte sein Computer nur einen grünen Bildschirm.
– Was hältst du von Online-Spielen, vor allem bezüglich der sozialen Aspekte, die im Film angesprochen werden?
Das ist ein großes Thema. Vor dem Film dachte ich, Teenager würden heute wirklich in zwei getrennten Welten leben. Eine IRL und eine im Netz, auf verschiedenen Plattformen und Online-Spielen, auf Facebook, Instagram und so weiter. Aber je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es nur eine Welt ist. Alles, was du tust, hat etwas mit dir selbst zu tun. Und manchmal bist du beim Chat im Netz näher an dir dran als sonst. Andererseits ist es natürlich schon so, dass du im Netz groß und stark sein kannst, während du in der Realität klein und empfindlich bist … AFK hast du eine ganz andere Panzerung.
– Glaubst du, die Geschehnisse von IRL könnten sich auch im realen Leben abspielen?
Leider ja … die Geschichte basiert sogar auf wahren Begebenheiten.
– Hattest du vorher schon eigene Erfahrungen mit Spielen? Spielst du selbst?
Ich bin in den 80ern aufgewachsen, und mein erster Computer war ein ABC 80 mit 16 KB RAM und einem Schwarzweißmonitor. Die jetzige Entwicklung war damals kaum vorhersehbar … Aber ich habe viele verschiedene Spiele gespielt. Im Moment hauptsächlich FIFA 13 mit meinem Sohn.
– CGI wird beim Film zunehmend wichtiger, und viele reden schon davon, dass die Filme der Zukunft nur noch aus digitalen Figuren in digitalen Umgebungen bestehen werden. Wie siehst du das?
Oh, ich sehe in meiner Kristallkugel jede Menge. Selbst heute ist schon sehr viel möglich, wenn du das Geld dazu hast. Aber ich glaube trotzdem, dass die Story das wichtigste Element bleibt, nur die Werkzeuge zur Umsetzung entwickeln sich und werden es ermöglichen, wirklich coole Sachen auf die Leinwand zu bringen. Ich sehe in CGI nur Vorteile und freue mich darauf, die neuen Technologien bei meiner Arbeit zu benutzen.